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1. Katastrophenschutz-Forum des DRK-Kreisverbandes Wolfenbüttel

Rund 20 schwere Rettungsfahrzeuge waren am Samstag am Exer aufgestellt, als der DRK-Kreisverband Wolfenbüttel dort sein 1. Katastrophenschutz-Forum veranstaltete. Eingeladen war die sogenannte Fachöffentlichkeit: In erster Linie Entscheider aus Politik und Verwaltung.

Heiner Schumacher (Mitte, im Vordergrund) führte als Kreisbereitschaftsleiter die Gruppen über den DRK-Campus am Exer und erklärte Fahrzeuge und Ausrüstung.

Im intensiven Austausch während der Veranstaltung (von links): DRK-Kreispräsident Horst Kiehne, Katastrophenschutz-Beauftragter Björn Försterling und Uwe Lagosky, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag.

Mehr als 20 Fahrzeuge waren zur Leistungsschau auf dem DRK-Campus am Exer aufgefahren worden. Fotos: DRK

Es kamen mehrere Samtgemeinde- Bürgermeister, Amtsleiter, Politiker sowie Führungskräfte von Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk auf den DRK-Campus.

Das Rote Kreuz demonstrierte allerdings nicht nur mit seinem Fuhrpark Selbstbewusstsein. „Wir können Katastrophenschutz“, unterstrich in seiner Begrüßung Horst Kiehne, der Vorsitzende des Kreispräsidiums. Der Wolfenbütteler Verband habe nicht nur während der Hochwasser-Tage vor drei Wochen in Kooperation mit anderen Helfergruppen seine Einsatzbereitschaft bewiesen. Vielmehr erinnerte Kiehne auch an die Herausforderungen während der Flüchtlingskrise oder an die Vielzahl von Verletzten beim Balkonabsturz in Wolfenbüttel und bei der Massenkarambolage auf der Autobahn 39 bei Cremlingen. „Wir sind stolz auf unsere Einsatzbereitschaft und unser Ausbildungsniveau.“

Und doch dürfe es bei der gegenwärtigen Situation nicht bleiben, forderte anschließend Björn Försterling, der Katastrophenschutz-Beauftragte des DRK-Kreisverbandes. „Denn als der Bund 2001 den Bevölkerungs- und Zivilschutz neu aufgestellt hat, ging der Katastrophenschutz in die Verantwortung der Länder über.“Im Gegensatz zu anderen habe sich Niedersachsen seitdem nicht mit Ruhm bekleckert, meinte Försterling: „Eine Förderung in Ausrüstung oder in die Ausbildung des Personals findet hierzulande so gut wir gar nicht statt.“

Nun müsse dringend besprochen werden, wie es weitergehen soll mit dem Katastrophenschutz im Landkreis Wolfenbüttel. Denn im Gegensatz zu anderen Städten und Landkreisen gebe es hier noch keine gemeinsame Vereinbarung, was die Retter des Roten Kreuzes mit ihrer Schnellen Eingreifgruppe (SEG) und der Kreisbereitschaft im Ernstfall leisten sollen. „Allein im Jahr 2016 wurde die SEG 24 Mal alarmiert“, verdeutlichte Kreisbereitschaftsleiter Heiner Schumacher, dass man fraglos über ein drängendes Thema spreche.

Schumacher war es auch, der die Gäste in Gruppen über den DRK-Campus am Exer führte. An dieser „Leistungsschau“ nahmen zum Beispiel Uwe Lagosky als CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag und Rüdiger Lehmann als Leiter des Kreis-Ordnungsamtes teil. Beide äußerten sich anschließend beeindruckt von der Technik, die das DRK vorhält. „Für mich war es absolut interessant, die Einsatzsituation des DRK zu sehen“, unterstrich Lagosky. „Ich habe hier viel gelernt, was als Grundlage für künftige Entscheidungen dienen wird.“

Gleichzeitig sah auch Lagosky die Notwendigkeit, zügig eine Vereinbarung zwischen dem Landkreis und dem DRK herbeizuführen. „Diese Erfordernisse wurden schlüssig vorgetragen. Wir sollten diesen Impuls aus der Praxis aufnehmen und kurzfristig parteiübergreifend eine Lösung für dieses Problem finden.“

Rüdiger Lehmann unterstützte ebenfalls die Idee eines Arbeitskreises, in dem die Grundlage einer solchen Vereinbarung erarbeitet werden könnte. „Doch wir sollten dazu neben dem DRK auch Feuerwehr und THW ins Boot holen.“ Dort könne der Landkreis ganz konkret eine Art Wunschzettel formulieren, welches Niveau der Katastrophenschutz in Wolfenbüttel künftig haben soll. „Außerdem ist das ein guter Rahmen für uns als Verwaltung, um uns mit den Experten und Praktikern auszutauschen.“

Das 1. Katastrophenschutz-Forum ging nach knapp drei Stunden zu Ende, und die Veranstalter zogen ein durchweg positives Fazit. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Kreisvorstand Andreas Ring. „Immerhin war es der erste Aufschlag in dieser Themenreihe, und dafür lief es prima.“ Für Horst  Kiehne war es der gelungene Versuch,  ein wichtiges Thema ins Gespräch zu bringen. „Ich glaube, wir konnten viele der entscheidenden Leute für unser Problem  sensibilisieren. Ich bin sehr zuversichtlich für eine gelungene Vision des Katastrophenschutzes  2020.“  

DRK kritisiert Parallelstrukturen und Reibungsverluste

Die Kritik des DRK ist eindeutig: „Wir müssen wissen, was wir künftig leisten sollen“, erklärt Horst Kiehne, Vorsitzender des DRK-Kreispräsidiums. Er forderte Planungssicherheit für seinen Verband, der im Grunde alle Fahrzeuge, Ausrüstung und Personalausbildung aus eigenen Mitteln bezahlt habe. „Da ist es wohl nachvollziehbar, dass wir vom Landkreis wissen wollen, welches Niveau der Katastrophenschutz in Wolfenbüttel künftig haben soll.“

Die mangelnde Absprache mit dem Kreis ist aber nur ein Reibepunkt, den der Wohlfahrtsverband beklagt. Andreas Richter, Leiter des Rettungsdienstes, erinnert an die Hochwassertage vor drei Wochen: „Als das Seniorenheim Steinhäuser Gärten in Wolfenbüttel vorsorglich evakuiert wurde, hat man dafür Kräfte aus Braunschweig angefordert – dabei standen unsere Leute in unmittelbarer Nähe abrufbereit.“ Richter schüttelt angesichts solcher Parallelstrukturen den Kopf: „Interessanter Weise melden sich die Kollegen aus Braunschweig bei ihrer Ankunft dann zuerst bei uns und fragen, was sollen wir jetzt machen, wie läuft das bei euch? So entstehen unnötige Reibungsverluste.“

DRK-Vorstand Andreas Ring bemängelt: „Mit Ausnahme des Landkreises Wolfenbüttel bestehen in allen Landkreisen und Städten der Region Vereinbarungen zum Katastrophenschutz.“ In der Regel stellt die Kommune dort den ehrenamtlichen Katastropheneinheiten eine Halle für Fahrzeuge, Ausrüstung, Material und Ausbildung. „Eine solche Unterkunft ist auch bei uns unabdingbar“, unterstrich Ring. „Die Bautrockner-Hilfsaktion nach dem Hochwasser wäre fast an mangelndem Lagerraum gescheitert.“

Aus Sicht des DRK-Katastrophenschutz-Beauftragten Björn Försterling lässt der Landkreis sogar mehrerezehntausend Euro Fördermittel ungenutzt, solange er keine Vereinbarung mit dem Wohlfahrtsverband schließt: „Die Krankenkassen halten dafür zwischen 80.000 und 120.000 Euro vor, die aber aus Wolfenbüttel nicht angefordert werden.“

Ring betont: „In der gegenwärtigen Situation wäre eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des Fachausschusses im Kreistag, der Verwaltung und uns wünschenswert, damit die Richtung klarer wird und wir voran kommen.“ Und auch Försterling mahnt dringend das Gespräch an zwischen Politik, Verwaltung und Rotem Kreuz: „Wir müssen einfach wissen, was erwartet die Gesellschaft von uns, und was davon können wir leisten?“

Fakten aus dem Rettungsdienst

Der Rettungsdienst des Roten Kreuzes Wolfenbüttel ist im Landkreis für 122 000 Einwohnerzuständig. Im Jahre 2016 absolvierten die Retter 20 571 Einsätze mit einer Fahrtstrecke von insgesamt 533 429 Kilometern – die Retter fuhren im vorigen Jahr also mehr als 13mal um die Erde:

  • 8.731 Krankentransporte
  • 9.437 Rettungsfahrten
  • 2.403 Notarzteinsätze

 

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28. August 2017 11:43 Uhr. Alter: 20 Tage