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11.08.: Eröffnung von "Eberts Hof" - Drei Angebote unter einem Dach

Das DRK eröffnet einen neuen Standort am Großen Zimmerhof 29 in Wolfenbüttel.

Im Zentrum Wolfenbüttels präsentiert sich "Eberts Hof", in dem Secondhand-Boutique, Tafel-Laden und Info-Stelle des DRK untergebracht sind. Foto: DRK

Ehrenamtliche Helferinnen der neuen Secondhand-Boutique "Von Hand zu Hand - Gutes Gebrauchtes" sortieren Kleiderspenden ein. Hier können Kunden nach Herzenslust stöbern. Foto: DRK

 „Es geht hier nicht um Altkleider, sondern um gute Sachen, die in einer Secondhand-Boutique gegen einen kleinen Obolus abgegeben werden“, betont Uwe Rump-Kahl, Bereichsleiter des DRK-Kreisverbandes Wolfenbüttel. „Von Hand zu Hand – Gutes Gebrauchtes“ heißt der neue Laden, der – zusammen mit Tafelausgabe und einem Info-Point – seit wenigen Wochen unter dem Oberbegriff „Eberts Hof“ am Großen Zimmerhof 29 zu finden ist.

Die drei DRK-Angebote sind zwar unter einem Dach vereint, aber durchaus räumlich getrennt. Den Löwenanteil des Platzes nimmt die Boutique ein, also der Nachfolger des Rotkreuzshops. „Dort hatten wir zum Beispiel keinen Platz, um Kinderkleidung auszustellen. Wir mussten Extra-Events organisieren, um sie anbieten zu können“, berichtet „Eberts Hof“-Leiterin Juliane Liersch. Das ist jetzt anders: Damen-, Herren- und Kindermode werden ansprechend präsentiert, aber auch Dinge wie Töpfe und Geschirr, Kinderbücher und Deko-Produkte.

Neu ist eine kleine Spielecke für den Nachwuchs, wenn Eltern die Waren durchstöbern. Aber auch Kinder von Tafel-Nutzern können hier die Wartezeit verbringen.

Tafel-Nutzer profitieren vom neuen Konzept

Hinter modernen, undurchsichtigen Glaswänden befindet sich die Tafelausgabe: Die Kunden sitzen nicht auf dem Präsentierteller, das ist den allermeisten sehr unangenehm. „Und wegen unseres Systems, nach dem jeder Abholer zu einer anderen Uhrzeit bestellt wird, gibt es auch keine Warteschlangen“, bemerkt Juliane Liersch. Uwe Rump-Kahl ergänzt: „Wir würden uns freuen, wenn mehr Leute, die eine Berechtigung von Transferleistungen haben, von der Tafel profitieren würden.“ Dank der neuen Struktur im Großen Zimmerhof dürfte die Hemmschwelle nun geringer sein, das Zusatzangebot an Nahrungsmitteln anzunehmen: Am alten Standort mussten die Shop-Kunden zunächst durch den Tafel-Laden gehen.

Dank der großzügigen Räume hatten es die Helfer in diesem Jahr auch einfacher, die Aktion „Tafel macht Schule“ vorzubereiten. Mehr als 50 Grundschüler, Kinder von Tafelkunden, bekamen einen neuen Ranzen samt Erstausstattung wie Tuschkasten und Füller. Und eine Schultüte mit Süßigkeiten war auch noch für die ABC-Schützen drin.

Interessierte können sich über DRK-Angebote informieren

Der dritte Teil in „Eberts Hof“ ist die Info-Stelle im vorderen Bereich. Tische und Stühle laden in geradezu wohnlicher Atmosphäre zum Verweilen ein – etwa, wenn der Ehemann wartet, bis seine Frau ein neues Kleid gefunden hat. Aber auch Alleinstehende kommen nur mal kurz auf eine Tasse Kaffee und zum Plaudern vorbei. Für alle besteht die Möglichkeit, sich über sämtliche Angebote im Wolfenbütteler DRK-Kreisverband zu informieren, zum Beispiel auch über Blutspenden und Erste-Hilfe-Kurse.

Leichter ist es für die Wolfenbütteler nun auch, Spenden abzugeben. Denn einen Verkaufs- und Annahmetresen gab es im ehemaligen Rotkreuzshop nicht. „Einen Teil der Spenden müssen wir leider entsorgen“, sagt Juliane Liersch, beispielsweise dreckige und kaputte Kleidung, ausgetretene Schuhe und verkrustete Töpfe. „Es bleibt aber trotzdem noch unglaublich viel übrig.“ Und sie kann versichern: Die guten Spenden kommen Menschen vor Ort zugute. Kürzlich, so die Einrichtungsleiterin, habe eine Spenderin zunächst nachgefragt, ob die Sachen überhaupt im Land bleiben. Auch darüber können Kunden die Mitarbeiterinnen ausfragen.

Geschäft in der Innenstadt stand zehn Jahre leer

Fast zehn Jahre stand das Geschäft am Großen Zimmerhof 29 leer. Eine ungewöhnlich großzügige Spende hat dem DRK Wolfenbüttel umfangreiche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen in dem alten Gebäude ermöglicht.

„Zu Ehren von Klaus Ebert aus Ahlum, der uns in seinem Testament bedacht hat, hat der Komplex den Namen ,Eberts Hof’ bekommen“, erklärt Juliane Liersch. Zunächst mussten sämtliche Fußböden und Decken erneuert, Elektrik und Heizung auf den neusten Stand gebracht und die Fenster getauscht werden. Und insgesamt 17 Freiwillige waren am vorletzten Juni-Wochenende damit beschäftigt, Waren und Einrichtung aus dem früheren Ladenlokal „Am Alten Tore“ zu „Eberts Hof“ zubringen. In direkter Nachbarschaft entsteht bis 2019 das „Löwentor“.

Das Programm

Die Eröffnung wird am Samstag, 11. August, von 11 bis 15 Uhr in Eberts Hof, Großer Zimmerhof 29, gefeiert. Nach der Begrüßung durch Horst Kiehne, Präsidiumsvorsitzender des DRK-Kreisverbandes, spricht auch Wolfenbüttels stellvertretende Bürgermeisterin Katrin Rühland einige Worte. Ein Grußwort des stellvertretenden Landrats Julian Märtens schließt sich an. „Baumeister Manni“ führt komödiantisch durch das Programm und sorgt für lustige Einlagen. Es folgt die Schlüsselübergabe von Horst Kiehne an Juliane Liersch, Präsidiumsmitglied und Leiterin von Eberts Hof. Anschließend führen Präsidiumsmitglieder Interessierte in Kleingruppen durch die DRK-Einrichtungen (Secondhand-Boutique und Tafelladen). Das Spielmobil der DRK-Flüchtlingshilfe lädt zum Mitmachen ein. Und ab 11.30 Uhr gibt es Leckeres vom Grill.

Interview mit Juliane Liersch - Leiterin Eberts Hof:
„Ich will vor allem, dass sich die Kunden wohlfühlen“

Frau Liersch, vor einem Monat hat „Eberts Hof“ seinen Betrieb aufgenommen. Was ist Ihr bisheriger Eindruck?

Im Gegensatz zum alten Laden kommen noch mehr Leute vorbei: Es sind nicht nur unsere Stammkunden des ehemaligen Rotkreuzshops, sondern auch viel Laufkundschaft. Auch über Mund-zu-Mund-Werbung hat es sich herumgesprochen. Manchmal hat man das Gefühl, dass eine ganze Busladung Kunden durch die Tür kommt. Das ist toll! Alle freuen sich über die Größe und Helligkeit der neuen Räume, und einige haben auch Blumen vorbeigebracht.

Im Vergleich zum alten Standort: Wie groß ist „Eberts Hof“?

Genau 285 Quadratmeter haben wir unten für die Secondhand-Boutique, den Tafelladen und den Infopoint hinter den Schaufenstern. Hinzu kommen noch Sozialräume und Lagerflächen im Obergeschoss. Im alten Laden hatten wir 110 Quadratmeter Verkaufsund Ausgabefläche, es hat sich also beinahe verdreifacht.

Wenn Sie mehr Platz zur Verfügung haben, brauchen Sie dann auch mehr Personal?

Unbedingt! Wir sind immer auf der Suche nach Ehrenamtlichen und nach Personen, die sich im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes im Laden und an der Tafelausgabe einbringen. Aktuell sind es 25 Helferinnen. Manche arbeiten einen halben Tag die Woche, andere drei Mal pro Woche. Vielen Kunden ist es gar nicht bewusst, dass 80 Prozent der Mitarbeiter hier Ehrenamtliche sind. Dazu gehören etwa Rentnerinnen und Menschen, die selber Tafelabnehmer sind. Und Flüchtlinge, die etwas zurückgeben möchten. Sie können bei Bedarf auch dolmetschen.

Der Umzug von Tafelladen und Shop in größere Räume in der Wolfenbütteler Innenstadt war ein Herzenswunsch von Ihnen. Warum?

Wir haben lange gesucht. Ich bin ein ganzes Jahr immer wieder an den leer stehenden Räumen am Großem Zimmerhof entlanggegangen und dachte, wie toll sie sich eignen würden. Irgendwann sagte mein Mann, ich solle doch einfach mal nachfragen. Anfang Dezember habe ich angerufen… Und jetzt ist „Eberts Hof“ fertig. Ich wollte vor allem, dass sich die Kunden wohlfühlen, sich auch mal eine Viertelstunde bei einem Kaffee hinsetzen können. Das war vorher aus Platzgründen nicht möglich. Selbst wichtige Gespräche konnte ich nur zwischen Tür und Angel führen.

Was wünschen Sie sich für „Eberts Hof“ in der Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Spendenbereitschaft so weitergeht. Und vielleicht noch, dass die Spender darauf achten, dass sie keine dreckigen oder kaputten Dinge abgeben. Außerdem hoffe ich, dass die Toleranz uns gegenüber so gut bleibt wie bisher.

 

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6. August 2018 18:29 Uhr. Alter: 131 Tage