

Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) unterstützt Menschen dabei, belastende Ereignisse zu verarbeiten. Sie richtet sich sowohl an Betroffene wie Angehörige, Hinterbliebene, Vermissende und Zeugen von Notfällen als auch an Einsatzkräfte, die besonderen Belastungen ausgesetzt sind.
Wenn das Leben von einem Moment auf den anderen aus den Fugen gerät, stehen viele Menschen vor kaum greifbaren Situationen: der plötzliche Verlust eines Kindes, eine Todesnachricht nach einem schweren Unfall oder der Suizid eines geliebten Menschen. Solche Ereignisse erschüttern zutiefst und verändern das Leben nachhaltig.

Funktion und Einbindung
Die PSNV-Staffel des DRK Wolfenbüttel ist Teil des Katastrophenschutzes in Niedersachsen und unterstützt als eigenständige Einheit die Einsatzkräfte vor Ort. Sie ergänzt die bestehenden Sanitäts- und Betreuungseinheiten und wird bei Bedarf gezielt eingesetzt.
Gemeinsam mit dem Einsatzzug des DRK stellt sie eine wichtige ehrenamtliche Ressource für den Landkreis Wolfenbüttel dar. Organisatorisch ist die Staffel direkt der Kreisbereitschaftsleitung sowie der Katastrophenschutzbehörde des Landkreises unterstellt.
Die Alarmierung erfolgt unabhängig von anderen Einheiten und richtet sich flexibel nach der jeweiligen Einsatzlage.
Eine PSNV-Staffel besteht regulär aus fünf Einsatzkräften: vier speziell ausgebildeten Helferinnen und Helfern sowie einer Führungskraft. Die Einsatzkräfte unterstützen je nach Lage entweder Betroffene (PSNV-B) oder Einsatzkräfte (PSNV-E). Die Führungskraft verfügt zusätzlich über eine taktische Ausbildung und übernimmt die Koordination im Einsatz.
Um jederzeit einsatzbereit zu sein, umfasst die PSNV-Staffel des DRK Wolfenbüttel deutlich mehr Mitglieder als die Mindeststärke. Aktuell engagieren sich rund 15 Helferinnen und Helfer in der Einheit.
Ein wichtiger Bestandteil ist die enge Zusammenarbeit mit der Notfallseelsorge Wolfenbüttel. Gemeinsam unterstützen beide Organisationen seit vielen Jahren den Rettungsdienst und die Polizei im Landkreis. Diese bewährte Kooperation bildet auch die Grundlage für die Arbeit der PSNV-Staffel.
Geführt wird die Staffel PSNV von einem Gruppenführer. Die PSNV-Staffel Wolfenbüttel wird derzeit von dem DRK-Gruppenführer Rainer Elsner geführt, der im alltäglichen Ehrenamt im DRK-SbE-Team Wolfenbüttel (PSNV-E) und im DRK-Kriseninterventionsteam (PSNV-B) tätig ist. Seine Vertretung ist die Leiterin des DRK-Kriseninterventionsteams Sibylle Schumacher.
Zur Ausstattung der PSNV-Staffel gehört ein Mannschaftstransportwagen (MTW). Dieser Kleinbus dient dazu, sowohl das Team als auch die benötigte Ausrüstung sicher zum Einsatzort zu bringen.
Damit die Staffel jederzeit einsatzbereit ist, sorgt der DRK-Kreisverband Wolfenbüttel e.V. im Hintergrund für eine funktionierende Organisation: von der schnellen Alarmierung und Kommunikation über die persönliche Schutzausrüstung bis hin zur Bereitstellung von Fahrzeugen und Material. So ist sichergestellt, dass im Ernstfall alles reibungslos funktioniert.
Seit Ende 2020 ist die PSNV-Staffel einsatzbereit. Ihren ersten größeren Einsatz hatte sie bereits im Juli 2021 im stark vom Hochwasser betroffenen Ahrtal.
In Bad Neuenahr und Ahrweiler war die Staffel Teil eines niedersächsischen DRK-Verbandes zur Einrichtung eines sogenannten „Betreuungsplatzes 500“. Dort wurden bis zu 500 betroffene Menschen versorgt – sowohl sanitätsdienstlich als auch im Rahmen der Psychosozialen Notfallversorgung.
Der Einsatz erfolgte im Rahmen der Amtshilfe für Rheinland-Pfalz. Einsatzkräfte aus Niedersachsen waren dabei jeweils für mehrere Tage vor Ort und wechselten sich ab, um eine kontinuierliche Unterstützung sicherzustellen.
Trotz kurzfristiger Alarmierung, teils sogar aus dem Urlaub, war die Staffel schnell einsatzbereit: Bereits am nächsten Morgen um 6 Uhr startete der Einsatz. Nach vier intensiven Tagen kehrten alle Beteiligten wohlbehalten zurück.
Neben den üblichen Schulungen und Trainings nimmt die PSNV-Staffel als Katastrophenschutzeinheit regelmäßig an besonderen Diensten teil. So besuchte die Staffel im März 2022 die Gedenkstätte des ICE-Zugunglücks in Eschede – einem tragischen Ereignis, das als wichtiger Ausgangspunkt für die organisierte Psychosoziale Notfallversorgung gilt.
Bei dem Unglück wurden zahlreiche Verletzte betreut und 101 Todesopfer geborgen. Die psychische Belastung für die Einsatzkräfte war enorm, und der Beistand von Seelsorgerinnen und Seelsorgern war unverzichtbar. Noch Jahre später beschäftigten die Erinnerungen viele der Beteiligten.
Solche Erfahrungen haben dazu beigetragen, dass heute bundesweit ein systematisches Konzept der Psychosozialen Notfallversorgung existiert – für Betroffene, Angehörige, Zeugen und die Einsatzkräfte selbst.
Die psychosoziale Akuthilfe von Betroffenen wird im DRK-Wolfenbüttel von unserem Kriseninterventionsteam (KIT) übernommen. Unsere Mitarbeitenden sind in einer psychosozialen Grundausbildung, der Qualifizierung zum Kriseninterventionshelfer, sowie Hospitations- und Praktikumsphasen auf Ihre Einsatztätigkeit vorbereitet worden. Regelmäßige Fortbildungen und Supervision sind verbindlicher Standard.
Schadensereignisse sind oft komplex und betreffen Menschen auf sehr unterschiedliche Weise. Nicht alle Betroffenen sind körperlich verletzt und benötigen eine medizinische Versorgung.
Das Kriseninterventionsteam (KIT) wird daher schnellstmöglich in die Hilfe eingebunden, um auch psychische Unterstützung zu leisten. Ziel ist, dass das KIT spätestens eine Stunde nach Eintritt des Ereignisses an der Einsatzstelle eintrifft.

SbE steht für Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen.
Das SbE-Team unterstützt Mitarbeitende nach besonders belastenden Einsätzen oder Vorfällen. Ob Rettungsdienst, Schulbegleitung oder andere Aufgaben im Kreisverband: Wir stehen den Beschäftigten und den Tochtergesellschaften des DRK-Kreisverbandes Wolfenbüttel e.V. bei psychisch belastenden Ereignissen zur Seite.
Wir sind ein Team aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden aus den verschiedenen Bereichen des DRK-Kreisverbandes Wolfenbüttel e. V., bestehend aus Peers (kollegiale Helfer) und psychosozialen Fachkräften mit spezieller qualifizierten Ausbildung.
Unser Team ist zu jeder Zeit erreichbar, um der Situation entsprechend, Einzel- oder Gruppengespräche anbieten zu können.
Wir gehören zum Netzwerk des SbE-Teams zwischen Harz und Heide e.V. und können bei Bedarf auch auf erfahrene, externe Unterstützung zurückgreifen.
Abhängig von der Anzahl der betroffenen Einsatzkräfte und dem Ereignis selbst, haben wir verschiedene Angebote:
Vorbeugend
Basisschulung Primäre Prävention für Einsatzkräfte
Nachsorgend
Einsätze
Die Einsätze werden über eine koordinierte Person abgewickelt. Bei der Auswahl der eingesetzten SbE-Kräfte finden das Berufsfeld wie auch weitere bekannte Informationen Berücksichtigung – bei den Peers nach Möglichkeit auch ein ggf. genanntes Peer des Vertrauens. Auf Wunsch vermitteln wir auch externe Peers (aus dem SbE-Team zw. Harz und Heide).
Vertraulichkeit
Wir behandeln alles streng vertraulich. Von unserer Seite aus sind nur eine koordinierte Person und die angesprochenen oder eingesetzten SbE-Mitglieder über die Einsätze informiert.
Wie erkenne ich Anzeichen für eine Belastungsreaktion bei mir selbst oder einem Kollegen?
Merkmale einer Belastungsreaktion nach Einsätzen sind zum Beispiel:
Wenden Sie sich an den Einsatznachsorge-Koordinator im DRK-Kreisverband Rainer Elsner oder sprechen Sie den Peer Ihres Vertrauens an.
Rund um die Uhr sind wir zudem über das SbE-Team zwischen Harz und Heide e.V. erreichbar:
Weiterhin sind SbE-Kräfte bundesweit über die SbE-Bundesvereinigung alarmierbar: Bundesweite Alarmierungsnummer: Tel. 01805- 872 862 (01805-TRAUMA) *
* Tarifhinweis: 0,14 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz der T-Com, aus dem Mobilfunknetz maximal 0,42 € pro Minute.
Unser Faltblatt zum Download.
Vertraulichkeit
Wir behandeln alles streng vertraulich. Von unserer Seite aus sind nur die koordinierende Person und die angesprochenen oder eingesetzten SbE-Mitglieder über die Einsätze informiert. Alle Daten werden unter Verschluss aufbewahrt, unser E-Mail-Konto ist ein sicheres E-Mail-Konto bei einem externen E-Mail-Provider mit Standort in Deutschland (Posteo in Berlin).
Wo gibt es Informationen?
Für mehr Informationen über unsere Arbeit können Sie jederzeit persönlich Kontakt zu uns aufnehmen oder Informationen über die Internetseiten der SbE Bundesvereinigung Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen e. V. erhalten.
Sehr gern! Ab 16 Jahren kannst du Teil davon werden. Sende uns deine Kontaktdaten und wir melden uns zeitnah bei dir.